Lese- und Rechtschreibstark 

Individuelle Premium-Förderung auch bei LRS und Legasthenie

Überschrift der Studie:

Nachdem ein neues Wort gelernt wurde, sieht das Gehirn es als Bild

  • Kerngedanke: Vertraute Wörter werden im Gehirn oft als Ganzes (Wortbild) erkannt – nicht Buchstabe für Buchstabe.

  • Bezeichnung: Dieses gespeicherte System wird häufig als „visuelles Wörterbuch“ bzw. Orthografie-Lexikon beschrieben.

  • Chunking-Effekt: Bekannte Wörter werden zu einer Einheit „gechunked“ → weniger Gedächtnisbelastung, schnellere Verarbeitung.

  • Studienbezug: Eine Arbeit (u. a. Neuron, 2009) wurde als Hinweis auf eine neuronale Repräsentation ganzer Wörter interpretiert.

  • Neue Frage: Wie werden neue Wörter in dieses Lexikon „eingetragen“ – also nachhaltig gelernt?

  • Didaktische Konsequenz: Neue Wörter gezielt als mentales, visuelles Wortbild aufbauen und stabilisieren.

  • Hinweis (LRS/Legasthenie): Der Ansatz kann unterstützend sein, ersetzt aber keine individuelle Diagnostik oder Förderung.

 

Quelle/Einordnung: fMRT-Studie von Prof. Maximilian Riesenhuber, Georgetown University Medical Center (GUMC).

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Visuelles Wörterbuch: Warum wir bekannte Wörter „auf einen Blick“ lesen

Wenn wir ein Wort sehen, das wir gut kennen, verarbeitet unser Gehirn es häufig nicht als Reihe einzelner Buchstaben. Stattdessen erkennt es das Wort schnell als Gesamtform – wie ein Wortbild. Dieses Prinzip lässt sich als „visuelles Wörterbuch“ erklären: ein inneres Orthografie-Lexikon, in dem bekannte Wortformen gespeichert sind und visuell abgerufen werden können.

Forschung mit funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) im Umfeld von Prof. Maximilian Riesenhuber am Georgetown University Medical Center (GUMC) stützt diese Idee: Vertraute Wörter werden zu einer Einheit zusammengefasst (Chunking). Das entlastet das Gedächtnis und macht Lesen effizienter.

Eine frühere Studie (u. a. Neuron, 2009) wurde als Hinweis darauf verstanden, dass es eine neuronale Wiedergabe ganzer Wörter gibt – also ein Orthografie-Lexikon. Darauf aufbauend rückt die nächste Frage in den Fokus: Wie gelangen neue Wörter in dieses Lexikon?

Was heißt das fürs Lernen von Lesen und Rechtschreibung?

Ein nachhaltiger Weg kann darin liegen, neue Wörter gezielt nach dem mental-visuellen Prinzip zu lernen: Das Wort wird bewusst als Wortbild aufgebaut, wiederholt korrekt gesehen, aktiv abgerufen, geschrieben und in sinnvollen Kontexten verwendet. So kann es Schritt für Schritt „automatisch“ werden – ähnlich wie bei vertrauten Wörtern.

Für Kinder mit LRS/Legasthenie kann dieser Ansatz eine hilfreiche Ergänzung sein. Bei anhaltenden Schwierigkeiten ist jedoch eine individuelle Förderung (z. B. durch Fachkräfte) besonders wichtig.

 

Fußnote: Der Begriff „Chunking“ und die Darstellung der daraus resultierenden Effekte (z. B. geringere Belastung des Arbeitsgedächtnisses, effizientere Verarbeitung) sind eine eigene ergänzende Einordnung und wurden von mir zur Erklärung des Befunds hinzugefügt.

fMRT-Studie Prof. Maximilian Riesenhuber PhD (Neuron, 2009)

Leiter: GUMC Laboratory for Computational Cognitive Neuroscience

https://gumc.georgetown.edu/news/After-Learning-New-Words-Brain-Sees-Them-as-Pictures        

NEWS WASHINGTON (March 24, 2015); Presseerklärung

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